Nach Gewin illegitimer Sohn des Herzogs
Heinrich II. der Zänker von Bayern und einer Tochter von
Graf Berthold von Geisenfeld
HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER
GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Gewin Dr. J.P.J.: Seite 134
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6. Arnold
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Graf im Ober-Isartal, 1017-1027.
1017. Graf. In seiner Grafschaft liegt Aufkirchen (bei
Starnberg): Mon. Germ. D. I. III. Nr. 364.
1027. Aug. 8. Die Übertragung der Abtei Moosburg
an Bischof Egilbert von Freising bestätigt von dem Grafen
Arnold (F. 6.), Poppo (C. 20.), Eberhard (B. 22.) und Chadalhoch
(C. 18.): F. nr. 1422.
Note:
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Im Anfang dieses Kapitels wiesen wir schon auf das vielfache
Vorkommen der Namen Arnold, Berthold und Otto unter den bayerischen Grafen
im 11. Jh. hin, woraus wir im Zusammenhang mit anderen Tatsachen und Umständen
verwandtschaftliche Verbindungen zwischen diesen Grafen darlegten. Wir
kommen hier auf dieses Thema zurück, weil wir im obigen Grafen
Arnold den um 974 geborenen natürlichen
Sohn Herzog Heinrichs II. von Bayern
erblicken.
Die Literatur (vgl. Hirsch, Jahrbücher des deutschen
Reiches unter Heinrich II. Band II. 417 ff., 431, III. 135, 137 ff.) nimmt,
so weit uns bekannt ist, ohne urkundliche Beleg an, dass der 1014 zum Erzbischof
von Ravenna ernannte Arnold der Halbbruder König
HEINRICHS II. war.
Im selben Ober-Isartal, wo obengenannter Arnold1017
eine Grafschaft verwaltete, erscheint eine Generation später c. 1032/62
wieder ein Graf Arnod F.7. Als seine Deszendenten folgen dann noch 4 Arnolde
F. 11., 19., 33., 49. Zeitgenossen des Grafen Arnold F. 7. waren: Otto,
Graf im Kelsgau F. 9., Berthold, Graf von Diessen F. 8. und Friedrich,
Graf von Diessen F. 10.
Wenn wir die Nachkommen der Grafen Otto und Berthold
im Mannesstamm in der 5. und 10. Generation auf die Leitnamen prüfen,
zeigen sich merkwürdige Fügungen. Die Progenitur Ottos F. 9.
zählt 13 Ottos, 3 Arnolde und 1 Berthold, und - nach dem Schwieger-Vater
des Grafen Otto Cuono C. 19. - 9 Konrade (= Chuono). Bei den Nachkommen
des Grafen Berthold F. 8. findet man 5 Bertholde, 5 Ottos und 2 Arnolde.
Die Kombination der Namen Berthold und Friedrich bei den Grafen von Diessen
zeigt sich auch bei Berthold E. I. 9, der, selber Schwiegersohn Herzog
Friedrichs, einen seiner Söhne nach seinem Schwiegervater Friedrich
nannte. Das Zusammentreffen dieser beiden Namen deutet darauf hin, dass
die beiden Grafen von Diessen vom genannten Berthold E. I. 9. und dessen
Schwiegervater Herzog Friedrich abstammen.
Die beliebten Taufnamen waren bei der Linie Arnolds F.
7. Arnold, bei der Linie Ottos F. 9. (Grafen von Scheyern), Otto, bei der
Linie Chuonos F. 17. Chuono und Otto und bei der Nebenlinie der Grafen
von Dachau-Vallei des Grafen Arnold F. 28. Konrad und Arnold, bei der Linie
Bertholds F. 8. (Grafen von Andechs) Berthold, daneben auch Arnold und
Otto.
Die erste Frage ist nun: Woher stammt der Name des natürlichen
Sohnes
Arnold? Möglich wäre,
dass
Herzog Heinrich der Zänker ihn
nach seinem Großvater mütterlicherseits Herzog Arnulf benannt
hat. Vielmehr liegt aber der Gedanke nahe, dass dem Arnold der Name eines
Ahnen mütterlicherseits gegeben wurde und dann muss man sofort denken
an den Pfalzgrafen Arnulf E. I. 4., der einen Sohn Berthold genannt von
Reisensburg E. I. 9. hatte, der sich mit einer Tochter Herzog Friedrichs
von Ober-Lothringen vermählte.
Stimmt die von uns aufgeführte Stammfolge also was
die Leitnamen und Lebenszeit betrifft, völlig, andere Tatsachen und
Umstände bestätigen ihre Richtigkeit. Der kaum 24-jährige
Herzog
Heinrich II. F. 4. empörte sich in den Jahren 974-976 gegen
König OTTO II. zu dem Zweck,
OTTO
von dem Throne zu stoßen. In sehr enger Beziehung zu ihm stand
der obengenannte Sohn des Pfalzgrafen Arnold, Berthold von Reisensburg
E. I. 9., der als WidersacherOTTOS Heinrichs
Pläne eifrig unterstützte. Eben in dieser Zeit wurde Arnold
geboren und es liegt nun der Gedanke nahe, dass dieser aus einer
unehelichen Verbindung zwischen Herzog Heinrich
II. und einer Tochter Bertholds geboren ist.
Hiermit ist auch der ständige Brauch des liutpoldingischen
Leitnamens Arnold bei der später in Tirol ansässigen Linie der
ARNOLDE und des ebenfalls liutpoldingischen Namens Berthold bei der Linie
der Grafen von Andechs erklärt; der Name Friedrich ist lothringischer
Herkunft. Jetzt bleibt noch übrigen, zu ermitteln, nach wem der vermutlich
zweite Sohn Arnolds Otto F. 9. genannt
wurde, dessen Name auch in der Linie Bertholds F. 8. vorkommt. Während
Arnold
F. 6. einem Sohn seinen eigenen
Namen gab, muss nach mittelalterlicher Gewohnheit der Name Otto dem Geschlechte
seiner Mutter entnommen sein.
Der Einzige, der als Schwiegervater des Grafen
Arnold F. 6. in Betracht kommt, ist der Graf Otto, der in Tirol
reich begütert war. Er schenkte der Brixner Kirche 985/ 93 ein Gut
zu Schwaz (bei Innsbruck) (A. t. I. nr. 18) und schloss 994/1005 einen
Tausch mit dem Domkapitel von Freising, wobei er gegen Übergabe von
Besitzungen zu Aufkirchen und an einer Reihe genannter Orte, meist in Tirol,
einen Hof zu Gerolsbach (B. A. Schrobenhausen) erhielt: F. nr. 1604. Wie
wir bereits in unserer Übersicht bemerkten, können wir nach den
Motiven für diesen ungleichen Tausch nur raten. Zwei Tatsachen weisen
darauf hin, dass Graf Otto der Großvater mütterlicherseits des
Grafen Otto F. 9. ist. Gerolsbach liegt ganz in der Nähe von Scheyern,
wo die WITTELSBACHER später ihren Sitz hatten. Der ältere Graf
Otto war 1014 Graf im Kelsgau (siehe M. G. D. D. III. 324, Guttenberg a.a.O.
Reg. 118), wo später, im Jahre 1040, der jüngere Otto F. 9. die
Grafschaft verwaltete.
Bleibt noch die Frage, wer der 1014-1018 (+) erwähnte
Erzbischof von Ravenna war. Er könnte ein Sohn des Grafen im Sundergau
E. I. 8. oder des Berthold von Reisensburg E. I. 9. sein, was zeitlich
genau stimmen würde.
oo N. N., Tochter des Grafen Otto im Kelsgau
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Kinder:
Arnold Graf im Ober-Isartal
- c.
1060
Berthold Graf von Diessen
- c. 1060
Friedrich Graf von Diessen
- c. 1050
Otto Graf im Kelsgau
- c. 1062
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